Ein Fernsehabend

[Editorischer Hinweis: Dieser Artikel habe ich am 7.1.2010 auf der Seite Pralithikum veröffentlicht und jetzt an diese Stelle übertragen.]

Sich über DSDS aufzuregen, ist weit verbreitet. Die Sendung habe ich lange nicht gesehen. Ich gehöre nicht zu denen, die über die Sendung lästern und trotzdem zusehen. Nur gelegentlich mache ich eine Ausnahme zu Recherchezwecken. Die paar Bemerkungen, die ich hier und da fallen lasse, sollen schon fundiert sein.

Am 6. Januar sah ich also wieder einmal zu. Ehrlich gesagt: ich bin auch diesmal kein Fan der Sendung geworden. Erkennbar Untalentierte stürzen sich in das Abenteuer und werden insbesondere von Dieter Bohlen auf den Boden der Tatsachen geholt. Dem Poptitan mache ich nicht mal einen Vorwurf. Er kennt das Geschäft und hält die Talentbefreiten möglicherweise von einem folgenschweren beruflichen Fehltritt ab. Selbst seine rüde Wortwahl möchte ich nur teilweise kritisieren. Wie könnte man sonst ins Wolkenkuckucksheim der Selbstverliebten und derer, die als einzigen Fan ihre Oma haben, eindringen?

Was mich an der Sendung stört ist das Vorführen der Kandidaten. Es mutet an wie der letzte Auftritt der Unglücklichen in der antiken römischen Arena im Angesicht wilder Tiere. An jenem Abend beispielsweise trat ein junger Mann auf, dessen Hose ein kreisrunder feuchter Fleck zierte. Nervös wie er war, war jener offenbar noch einmal vor seinem Auftritt auf die Toilette gegangen, wobei ihm ein kleine Malheur passiert war. Dem Poptitan stach die dunkle Stelle sofort ins Auge. Er machte eine entsprechende Bemerkung. Die Jury starrte angestrengt hin. Sekundenlang wurde die Peinlichkeit (durch eine Zeitlupe?) zelebriert. Der Gesang des jungen Mannes war dann auch zweitrangig und sowieso nur geeignet, ihm sein Ausscheiden aus dem Wettbewerb mitzuteilen.

Der Kandidat geht nun zurück in sein Leben, in dem er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann absolviert. Angesichts der peinlichen Situation wird das kein angenehmer Weg. Er wird wohl noch häufiger darauf angesprochen werden. Außerdem ist damit zu rechnen, dass die Szene auf YouTube landet, was die Erinnerung wach halten wird. Ein Makel wird bleiben. Er kommt beschädigt aus der Sendung heraus.

Der Gedanke, die peinliche Szene nicht zu senden und den Kandidaten zu schützen, ist den Produzenten und RTL wohl nicht gekommen. Quote, Quote über alles?

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