Koalitionsverhandlungen: Änderungen bei Hartz IV (II)
Die Koalition plant offenbar, dass in Zukunft die Jobcenter die Miete von Hartz-IV-Beziehern direkt an die Vermieter über weisen. Bisher wird die Miete mit dem Regelsatz an den Hartz-IV-Bezieher überwiesen, der sie dann an seinen Vermieter weiter überweist.
Die Webseite gegen-Hartz.de sieht darin eine weitere Stigmatisierung der Arbeitslosen. Es würde der Eindruck erweckt, Arbeitslose seien nicht in der Lage, pünktlich ihre Miete zu zahlen. Die Auffassung, dass die geplante Neuregelung eine Stigmatisierung darstellt, kann ich nachvollziehen, ist für mich allerdings irrelevant. Die Vorteile überwiegen meiner Meinung nach. Erhält ein Vermieter die Miete garantiert vom Amt, ist er eher bereit, seine Wohnung an einen Hartz-IV-Empfänger zu vermieten. Bisher hat dieser Personenkreis nämlich sehr schlechte Chancen auf dem Wohnungsmarkt.
Ich habe das erlebt, als ich vor Jahren als Arbeitsloser eine Wohnung suchte. Als ich auf die Frage, wovon ich lebe, antwortete, vom Arbeitslosengeld II, beendete jeder zweite Vermieter sofort das Gespräch. Eine Wohnungsgenossenschaft, die zunächst eine Ratenzahlung für den Genossenschaftsanteil akzeptiert hatte, wollte einige Tage später nur noch die einmalige komplette Zahlung desselben akzeptieren, wodurch deren Angebote für mich nicht mehr in Frage kamen. Die einzige Alternative wäre damals Wohnanlagen gewesen, die man als soziale Brennpunkte bezeichnen kann und von denen eine der Bunker genannt wird. Bisher hat noch jeder Bewohner derartiger Objekte, die ich getroffen habe, eindringlich davon abgeraten, dorthin zu ziehen.
So bin ich damals in meiner alten Wohnung geblieben und zahle seither ein paar Euro aus dem Regelsatz zur Miete dazu.
Die geplante Änderung aus den Koalitionsverhandlungen verbessert die Chancen von Langzeitarbeitslosen auf dem Wohnungsmarkt. Entscheidend ist, dass die neue Maßnahme einem Arbeitslosen, der aus irgendeinem Grunde umziehen muss, leichter zu einer neuen Wohnung verhilft.
Quelle:
Hartz IV: Miete soll direkt an Vermieter gehen, gegen Hartz.de vom 14. Oktober 2009